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ZEITSCHRIFTEN / Neurologie & Rehabilitation / Archiv / 2004 1 / abstract 2

D-Amphetamin zur Förderung der Rehabilitation nach Schlaganfall – Wunsch und Wirklichkeit


S. Hesse¹, T. Treig², M. Sachse², C. Werner¹
1Klinik Berlin, Abtlg. Neurologische Rehabilitation, Charité, Campus Benjamin Franklin, ²Neurologisches Rehabilitationszentrum Greifswald


Zusammenfassung
D-Amphetamin (D-Amp) steigerte die motorische Geschicklichkeit von Ratten mit einer experimentellen hemi­sphäralen Hirnläsion deutlich, insofern die Tiere sich frei bewegen konnten. Als Erklärung dieses positiven Effektes wurde eine günstige Wirkung des Psychostimulans auf die Diaschisis angenommen. Zwei kleine klinische Studien (n=8, n=10) konnten entsprechend einen positiven Effekt von D-Amp auf die motorische Rückbildung von Schlaganfallpatienten im Akutstadium im Vergleich zu Placebo nachweisen. In der vorliegenden Studie wurden 24 Patienten mit einer erstmaligen supratentoriellen ischämischen Läsion, Intervall < 40 Tage, Barthel Index 25–50, zwei Gruppen zugeteilt. Die experimentelle Gruppe erhielt 10x10 mg D-Amp alle vier Tage, jeweils morgens mit nachfolgender Physiotherapie innerhalb von 60 Minuten. Die Kontrollgruppe erhielt ein identisch aussehendes Placebo. Beide Gruppen verbesserten ihre ADL-Kompetenz und motorischen Funktionen mit Ausnahme der des Armes über einen Zeitraum von drei Monaten kontinuierlich, nachfolgend stellte sich ein Plateau ein. Im Gruppenvergleich zeigte sich zu keinem Zeitpunkt ein Unterschied, d.h. D-Amp vermochte die Effektivität der Rehabilitation nicht zu steigern. Dieses negative Ergebnis entspricht drei weiteren inzwischen publizierten Arbeiten über Schlaganfallpatienten, so dass der Einsatz des BTM-pflichtigen Medikamentes in der Schlaganfallrehabilitation u.E. derzeit nicht empfohlen werden kann.
Schlüsselwörter: D-Amphetamine, Schlaganfall, Physiotherapie, Gangrehabilitation

D-Amphetamine to promote the recovery after stroke – fact and fiction
S. Hesse, T. Treig, M. Sachse, C. Werner

Abstract
D-Amphetamine (D-Amp) and physical therapy promoted the motor recovery of rats following an experimental brain lesion. A positive effect on diaschisis was assumed. Accordingly two small clinical studies (n=8, n=10) showed a positive effect of D-Amp on the motor recovery of acute stroke patients. In the present study, 24 stroke patients with a first-time supratentorial ischaemic lesion, stroke interval < 40 d, Barthel Index 25–50, were allocated to two groups. The verum group received 10x10 mg D-Amp every fourth day and physiotherapy within 60 minutes. The control group received a placebo. Both groups improved their ADL level and motor functions except for their arm continuously over three months after study begin. The group comparison did not reveal any difference at any time, i.e. D-Amp failed to further promote the motor recovery of acute stroke patients as compared to placebo. This negative result corresponds to three other, more recently published studies, so that the use of D-Amp in stroke rehabilitation cannot be recommended at this level of evidence.
Key words: D-Amphetamine, stroke, physiotherapy, recovery of gait

Neurol Rehabil 2004; 10 (1): 6-8

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