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ZEITSCHRIFTEN / Neurogeriatrie / Archiv / 2015_2 / abstract 2
 

NeuroGeriatrie 2015; 12 (2): 61 – 68                                                                                                 ORIGINALARBEIT
                                                                                                                                  


 

Tabletgestützte biografische Spurensuche fördert die Erinnerungsleistung bei Demenzerkrankten

P. Dlugosch

FJS – Familien Jugend Senioren, Geroldshausen-Moos

Zusammenfassung
An Demenz zu erkranken bedeutet für die Betroffenen, auch sukzessive die Erinnerungen an das eigene Leben zu verlieren. Zuerst ist die Merkfähigkeit gegenüber aktuellen Ereignissen betroffen, aber nach und nach erlöschen auch die Erinnerungen an Bilder und Ereignisse der eigenen gelebten Vergangenheit. Diese Verluste bedrohen das Empfinden der eigenen Identität, positive Gefühle hinsichtlich lebensbedeutsamer Erlebnisse können ohne fremde Hilfe nicht mehr abgerufen und nachempfunden werden. Demenzkranke brauchen die Hilfe anderer, um wieder in ihre Vergangenheit eintauchen zu können. Sie brauchen Zuhörer, die sich für ihre Lebensgeschichte und für ihre Identität interessieren. Diese Auseinandersetzung mit der eigenen Lebensgeschichte vermittelt den Erkrankten Sicherheit und Selbstachtung, Freude und Wohlbefinden.
Doch hier stellt sich die Frage: Wie können »Andere«, oft fremde Personen, die Lebensgeschichten der an Demenz Erkrankten nachempfinden, wenn nur noch Fragmente, manchmal zusammenhanglos, erinnert und geäußert werden können?
Im Rahmen einer explorativen Interventionsstudie wurde die Wirksamkeit tabletgestützter Biografierecherche und Biografieerinnerung für Demenzerkrankte untersucht. Insbesondere wurde beobachtet, ob eine Steigerung der Erinnerungsfähigkeit durch die visuelle Darstellung individuell bedeutsamer Lebenserinnerungen möglich ist. Letztendlich war das Ziel der Intervention, das Wohlbefinden und die Zufriedenheit der Erkrankten durch individuelles Erinnern und Empfinden der eigenen Identität zu verbessern.
Um dieses Ziel zu überprüfen, wurden zehn an Demenz erkrankte Bewohner und Bewohnerinnen einer stationären Einrichtung über einen Zeitraum von sechs Wochen beobachtet. Jeder Teilnehmer und jede Teilnehmerin nahm an je sechs Einzelsitzungen teil, in deren Verlauf individuelle Lebenserinnerungen recherchiert und visuell dargestellt wurden. Dokumentiert und ausgewertet wurden dabei die Erinnerungsleistungen, die bisher nicht bekannt waren und in der bestehenden Biografiedokumentation nicht erwähnt wurden, sowie die Entwicklung der Stimmung und des Verhaltens in den Sitzungen und im Pflegealltag über den gesamten Interventionszeitraum.
Die Ergebnisse der Intervention konnten zeigen, dass mit virtueller Anregung unter Zuhilfenahme eines Tablets PCs personenbezogen erfolgreich erinnert wurde. Die Zufriedenheit der TeilnehmerInnen im Zeitraum der Studie hat zugenommen und eine Abnahme des Problemverhaltens konnte beobachtet werden. Eine weitere Entwicklung der gefundenen Ergebnisse in Folgestudien könnte hilfreich sein, die Biografiearbeit für Demenzerkrankte zu verbessern, die Erinnerungsleistung der Erkrankten zu unterstützen und das Wohlbefinden und Lebensqualität zu erhöhen.

Schlüsselwörter: Tablet/Laptop/Internet, Demenz, visuelle Anregung, Wohlbefinden und Erinnerungsleistung 

 

Tablet-supported biography research enhances memories and well-being of dementia patients

P. Dlugosch

Abstract
The diagnosis of dementia is accompanied by progressive loss of memory. First the retention of present events is affected but sooner or later events or images of one’s personal life can’t be remembered. This memory loss threatens the perception of one’s identity as positive feelings towards life shaping events can’t be recalled without help from others.
Dementia patients need listeners who are interested in their personal history and their identity. This examination of their story mediates selfconfidence and self-esteem, happiness and well-being.
The question is how other people can bring out the personal history of dementia patients when only fragments or incoherent memories are remembered? Within this exploratory pilot study the efficiency of tabletsupported biography research with dementia patients was examined.
The main question was whether individual visual stimulation can enhance detailed remembering and if this effect can induce the improvement of general well-being of dementia patients.
A group of ten dementia patients of a stationary facility took part in six single sessions. The memory performance with and without virtual support, the amount of unknown memories of the biography that have been found and the mood in the course of a session were observed. Simultaneously, various elements such as the affective state and the development of an individual problematic behaviour in everyday nursing were observed throughout the whole intervention period. The results of the intervention show that individual biographical remembering has been successful with virtual stimulation and utilization of a tablet computer. The self-confidence of the participants in the period of the study increased and a decrease of problematic behaviour could be observed.

Key words: tablet / laptop / internet, dementia, visual stimulation, wellbeing and memory performance

© Hippocampus Verlag 2015  


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