Neurol Rehabil 2026; 32 (1): 30-33
START-Konzept: Stufenweise Wiedereingliederung mit Assistenz des Reha-Teams
E. Rauscher1, R. Kaluscha2
1 Reha-Zentrum Hess, Bietigheim-Bissingen 2 Institut für rehabilitationsmedizinische Forschung an der Universität Ulm (IfR Ulm)
Zusammenfassung
Hintergrund: Nach neurologischen Erkrankungen wird oft eine „Stufenweise Wiedereingliederung“ am bisherigen Arbeitsplatz durchgeführt. Noch vorhandene Leistungsdefizite wie zum Beispiel Wortfindungsstörungen, verminderte Konzentrationsfähigkeit, Beeinträchtigung der Feinmotorik oder Gangunsicherheit können die Wiederaufnahme der Berufstätigkeit erschweren. Statt der üblichen begleitenden ambulanten Behandlung sieht das Modellprojekt START daher eine Verzahnung von Rehabilitation und stufenweiser Wiedereingliederung vor.
Methodik: Die Ergebnisevaluation beruhte auf mehreren Datenquellen. Zum einen wurden der sozialmedizinische Verlauf und die Wiedereingliederungsquote im Folgejahr der START-Intervention in der Interventionsgruppe (STARTTeilnehmende) anhand von Fragebögen zu Beginn (t0), am Ende (t1) sowie ein Jahr nach Ende der START-Intervention (t2) erfasst. Dabei wurden mittels standardisierter Fragebögen u. a. soziodemographische Merkmale, der Gesundheitszustand und die Arbeitsfähigkeit erfasst. Zum anderen wurden aus der Rehabilitationsstatistikdatenbasis der Rentenversicherung (RSD) ähnliche Fälle im Sinne einer „historischen Kontrollgruppe“ ausgewertet, um die Befragungsergebnisse besser einordnen zu können. Zusätzlich wurden auch der jeweiligen Arbeitgeber sowie die behandelnden Ärzte in den beteiligten Rehabilitationseinrichtungen befragt. Arbeitgeberseitig sollten die Zufriedenheit mit der START-Intervention sowie Stärken und Schwächen des Modellprojekts erfasst werden, ärztlicherseits auch der Genesungsverlauf.
Ergebnisse: Leider litt die Datenerhebung stark unter der soeben ausgebrochenen COVID-19-Pandemie, sodass nur 32 Teilnehmende eingeschlossen werden konnten. Die Mehrheit der Teilnehmenden berichtete Verbesserungen bei der subjektiven Arbeitsfähigkeit und der gesundheitsbezogenen Lebensqualität. Ein Jahr nach START waren nahezu alle Teilnehmenden in einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung tätig und keiner der Teilnehmenden stellte einen Antrag auf Erwerbsminderungsrente. Auch die Einschätzung der START-Maßnahme durch die behandelnden Ärzte und die Arbeitgeber war überwiegend positiv.
Fazit: Die aufgefundenen positiven Trends legen nahe, START in einem größeren Rahmen einzusetzen und dabei im Sinne einer „Anwendungsbeobachtung“ ein Monitoring von Zufriedenheit und Erwerbsstatus durchzuführen, um die hier bei kleiner Fallzahl gezeigten positiven subjektiven Ergebnisse zu erhärten und statistisch abzusichern.
Schlüsselwörter: Stufenweise Wiedereingliederung, STWE, Return to Work, RTW, Schlaganfallnachsorge, rehapro
START concept: Gradual reintegration with assistance from the rehabilitation
E. Rauscher, R. Kaluscha
Abstract Background: After neurological disease, a “stepwise reintegration” at the former workplace often takes place. Remaining functional deficits such as word finding difficulties, reduced concentration ability, impaired fine motor skills, or gait instability can make returning to work difficult. Instead of the usual parallel outpatient treatment, the START model project therefore interweaves rehabilitation and stepwise reintegration.
Methods: The outcome evaluation was based on multiple data sources. First, the socio medical progress and the reintegration rate in the year following the START intervention were recorded for participants (the START group) using questionnaires at baseline (t0), at the end of the intervention (t1), and one year after the end of the START intervention (t2). Standardised questionnaires captured sociodemographic characteristics, health status, and work ability. Second, similar cases from the pension insurance’s rehabilitation statistics database (RSD) were analysed as a “historical control group” to contextualise the survey results. Additionally, both the respective employers and the treating physicians in the participating rehabilitation facilities were surveyed. From the employer side, satisfaction with the START intervention and strengths and weaknesses of the model project were recorded; from the medical side, the progress of recovery was documented.
Results: Unfortunately, data collection was heavily affected by the newly emerging COVID 19 pandemic, so only 32 participants could be included. The majority reported improvements in subjective work ability and health related quality of life. One year after START, almost all participants were employed, and none applied for a disability pension. Assessments of the START measure by treating physicians and employers were also predominantly positive.
Conclusion: The observed positive trends suggest that START should be deployed on a larger scale, and in line with an “application observation” approach, satisfaction and employment status should be monitored to strengthen and statistically validate the first encouraging findings shown here.
Keywords: Stepwise Re-Integration, Return to Work, RTW, stroke aftercare, rehapro
Neurol Rehabil 2026; 32(1): 30-33 | https://doi.org/10.14624/NR2601001 © Hippocampus Verlag 2026
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