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ZEITSCHRIFTEN / Neurologie & Rehabilitation / Archiv / 2026_2 / abstract Aphasie
 

Neurol Rehabil 2026; 32 (2): 209-219

Der Umgang mit akuter Aphasie auf der Stroke Unit: Eine qualitativ-explorative Analyse der Kommunikationsstrategien aus Sicht von Patienten und Angehörigen      

S. Probst1,2, C. Lücking3

1 Fachbereich Gesundheit und Soziales, Hochschule Fresenius, Köln
2 Therapiezentrum Burgau, Lehrstuhl für Neurorehabilitation, Medizinische Fakultät der Universität Augsburg, Augsburg
3 Fachbereich Gesundheit & Soziales (Onlinecampus), Hochschule Fresenius, Hamburg

Zusammenfassung

Eine Aphasie nach Schlaganfall kann weitreichende Folgen für Betroffene haben. Sprachliche Einschränkungen können die Kommunikation mit Gesundheitsfachpersonal während der Behandlung beeinflussen. Erfahrungen von Patienten mit Aphasie werden in der aktuellen deutschsprachigen Forschung noch kaum berücksichtigt. Ziel dieser Studie war die Erfassung des interprofessionellen Umgangs mit akuter Aphasie auf der Stroke Unit aus der Perspektive von Patienten und Angehörigen im Sinne einer qualitativen Erhebung. In Problemzentrierten Interviews [57] wurden zwei Patienten mit Aphasie und zwei Angehörige retrospektiv befragt. Zuvor erfolgte eine Diagnostik der sprachlichen und kognitiven Fähigkeiten der Patienten. Mittels einer inhaltlich strukturierenden qualitativen Inhaltsanalyse [38] wurden die Interviews ausgewertet.
Die vorherrschenden Themen einer unzureichenden Information und Aufklärung sowie der fehlende Einbezug der
Angehörigen zeigen eine mangelhafte Umsetzung einer Personenzentrierten Gesundheitsversorgung (PZG) auf der
Stroke Unit. Als Hauptursache wird Zeit- und Personalmangel im Gesundheitssystem gesehen. In der Sprachtherapie wird der Bereich der Dysphagie als Schwerpunkt betrachtet; Aphasien nehmen eine untergeordnete Rolle ein. Im Fall der Teilnehmenden fand keine Beratung bezüglich Kommunikationsstrategien statt. Patienten und Personal nutzten intuitiv nonverbale Strategien. In Gesprächen mit Betroffenen fand teilweise eine Anpassung der verbalen Kommunikation des Personals statt. Keiner der befragten Personen wurden Methoden der Unterstützten Kommunikation angeboten. 
Aus Ergebnissen und Literatur abgeleitete Lösungsmöglichkeiten beziehen sich u. a. auf Whiteboards am Bett der
Patienten. Eine speziell konzipierte Checkliste für das Personal beinhaltet sprachförderliche Verhaltensweisen in Gesprächen mit Patienten mit Aphasie. Informationsmaterial in Leichter Sprache sowie Kontaktdaten für die weiterführende Rehabilitation könnten neben festen Ansprechpartnern in der Klinik die PZG auf der Stroke Unit verbessern.

Schlüsselwörter: Aphasie, Stroke Unit, Kommunikation, Personenzentrierte Gesundheitsversorgung 


Managing Acute Aphasia in the Stroke Unit: A Qualitative Exploratory Analysis of Communication Strategies from the Perspective of Patients and Their Families      

S. Probst, C. Lücking                     

Abstract
Aphasia after a stroke can have far-reaching consequences. Language impairments can affect communication with
healthcare professionals during treatment. In current research in German-speaking countries the experiences of
those patients are barely considered. The aim of this study was to capture the interprofessional handling of acute
aphasia on the stroke unit from the perspective of patients and relatives in the form of a qualitative survey. In problem-centered interviews [57] two patients with aphasia and two relatives were interviewed retrospectively. Beforehand, the patients' linguistic and cognitive abilities were assessed. The interviews were evaluated using a contentstructuring qualitative content analysis [38].
The prevailing issues of insufficient information and the lack of involvement of relatives demonstrate inadequate
implementation of person-centered care on the stroke unit. The main cause is seen as a lack of time and personnel
in the healthcare system. In speech therapy, dysphagia is considered as the main focus; aphasia plays a secondary
role. No counseling regarding communication strategies was provided to the participants. Patients and staff
intuitively used nonverbal strategies. In conversations with patients, staff partially adapted their verbal communication. None of the interviewees were offered any methods of Augmentative and Alternative Communication. 
Possible solutions derived from the results and literature include whiteboards at the patients' bedside. A specially
designed checklist for staff includes language-promoting behaviors in conversations with patients with aphasia. Information material in easy-to-read language and contact details for further rehabilitation could improve patientcentered care, in addition to designated contact persons.

Keywords: aphasia, stroke unit, communication, personcentred healthcare  

                                    
Neurol Rehabil 2026; 32(2): 209–2019| https://doi.org/10.14624/NR2602004              
© Hippocampus Verlag 2026


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