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ZEITSCHRIFTEN / Neurologie & Rehabilitation / Archiv / 2008 4 / abstract 5
 

Neurol Rehabil 2008; 14 (4): 203-210                                                                                                                                    Originalarbeit  


Ein neues Verfahren zur Fremdanamnese räumlicher Störungen bei hirngeschädigten Patienten: Der Beobachtungsbogen für räumliche Störungen (BRS)

G. Neumann1, J. Neu2, G. Kerkhoff 3
1Klinik Kipfenberg GmbH, Neurochirurgische und Neurologische Fachklinik, Kipfenberg;
2Rhein-Klinik Bad Honnef, Krankenhaus für psychosomatische Medizin und Psychotherapie,
Bad Honnef; 3Universität des Saarlandes, Klinische Neuropsychologie, Saarbrücken

Zusammenfassung
Räumliche Störungen treten häufig infolge einer Hirnschädigung auf und stellen die betroffenen
Patienten und ihre Angehörigen oft vor gravierende Alltagsprobleme. Überraschenderweise gibt es
fast keine Verfahren, die eine individuelle und gleichermaßen standardisierte Erfassung der jeweiligen
räumlichen Alltagsprobleme sowie der damit assoziierten Störungen im Krankheitsverlauf ermöglichen.
Die Erfassung derartiger Beeinträchtigungen gewinnt jedoch für eine gezielte Therapieplanung,
die Beratung Angehöriger sowie insbesondere für die Überprüfung der Wirksamkeit neuropsychologischer
Therapien und deren Transfer in den Alltag immer mehr an Bedeutung.
Im vorliegenden Beitrag stellen wir den Beobachtungsbogen für räumliche Störungen (BRS) vor, der
diese Lücke füllt. Der BRS ermöglicht eine standardisierte Erfassung von im weitesten Sinne »räumlichen
« Alltagsbeeinträchtigungen hirngeschädigter Personen mit einer multimodalen Neglectsymptomatik
und häufig assoziierten Störungen (wie die fehlende Krankheitseinsicht oder räumlich-perzeptive
Störungen). Da die betroffenen Patienten meist keine adäquate Krankheitseinsicht zeigen, stützt
sich das Verfahren auf eine fremdanamnestische Einschätzung durch Angehörige oder professionelle
Helfer.
Der BRS besteht aus 35 Items, die alltagstypische Probleme erfassen und sich in sieben Skalen gliedern.
Vier davon erfassen unterschiedliche Modalitäten des Neglects: Visueller Neglect, Auditorischer
Neglect, Personaler Neglect und Repräsentationaler Neglect. Drei Skalen erfassen die Bereiche der
assoziierten Störungen: Räumlich-perzeptive Leistungen, Aufmerksamkeitsleistungen und Krankheitseinsicht.
Untersuchungen an einer ersten Pilotstichprobe konnten zeigen, dass Durchführungs- und Auswertungsobjektivität
gegeben sind. Ebenfalls gegeben ist die Interpretationsobjektivität hinsichtlich der
Verhaltensleistungen des Patienten in kritischen Alltagssituationen. Das Verfahren verfügt über eine
gute interne Konsistenz und erwies sich in einer Paralleltestung als reliabel. Der BRS verfügt zudem
über eine außerordentlich hohe Augenscheinvalidität. Auch seine Konstruktvalidität kann angenommen
werden. Die ersten Untersuchungen zur kriteriumsbezogenen Validität zeigen ebenfalls zufriedenstellende
Ergebnisse.
Der BRS kann als Screening, bei einer umfassenden alltagsorientierten Neglectdiagnostik, bei der
Therapieplanung, der Psychoedukation und zur Sensibilisierung von Angehörigen für die Alltagsprobleme
der Patienten, sowie bei der Evaluation des Therapieverlaufs wichtige zusätzliche Informationen
liefern.
Schlüsselwörter: Räumliche Störungen, Neglect, Fremdanamnese, Diagnostik, Krankheitseinsicht,
räumlich-perzeptive Leistungen

 

BRS: A new method for the anamnesis of spatial disorders in patients with brain damage

G. Neumann, J. Neu, G. Kerkhoff

Abstract
Multimodal spatial disorders are frequently encountered in patients with brain damage. Such disorders
impair the patient’s activities of daily living significantly. Surprisingly, few standardised methods are
available for the assessment of these disorders. Here, we describe a novel questionnaire (BRS) for the assessment of spatial and associated disorders after brain damages. The BRS thus aims at identifying
significant spatial problems in daily life, aids in individual treatment planning, serves in counseling of
the relatives, and is a valuable additional measure in treatment studies documenting transfer of treatment
to daily life.
The BRS entails 35 items in 7 scales. Four scales are related to neglect phenomena: visual neglect,
auditory neglect, personal neglect, representational neglect. The other 3 scales assess associated disorders:
spatial-perceptual disorders, attention disorders, and unawareness. Due to the patient’s unawareness,
the BRS is performed by staff or relatives from a third-person’s perspective.
Investigations in a first pilot study showed good objectivity, internal consistency, parallel-test reliability
and satisfactory criterion-based validity. The BRS thus can give valuable additional information
in brain damaged patients about the impact of spatial disorders in daily life, which can be used for
individual treatment planning, psycho-education of relatives, and scientific evaluations of treatment
interventions.
Key words: brain damage, spatial cognition, neglect, unawareness, questionnaire, assessment


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