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ZEITSCHRIFTEN / Neurologie & Rehabilitation / Archiv / 2007 2 / abstract 1
 

Neurol Rehabil 2007; 13 (2): 59

Editorial


Psychische Störungen und psychosoziale Beeinträchtigungen bei neurologisch Kranken und Behinderten

Plädoyer für die Integration psychiatrisch-psychotherapeutischer und psychosomatischer Kompetenz in die neurologische Praxis

R. Schmidt1, Ch. Dettmers2, G. Rothacher3
1Bereich Psychotherapeutische Neurologie, Kliniken Schmieder Konstanz und Gailingen, 2Bereich Neurorehabilitation, Kliniken Schmieder Konstanz, 3Bereich Neurorehabilitation, Kliniken Schmieder Gailingen

Die große medizinische und sozioökonomische Bedeutung komorbider psychischer Störungen bei neurologisch Kranken und Behinderten wird zunehmend besser erkannt. Dabei gilt das wachsende Interesse nicht nur den neuropsychiatrischen, unmittelbar hirnorganisch bedingten Störungen, sondern besonders auch den funktionell psychischen Störungen. So wichtig eine rechtzeitige Diagnose und sachgerechte Therapie psychischer Krankheitserscheinungen und psychosozialer Probleme für die Erlebnis- und Gestaltungsfähigkeit und die Lebensqualität Betroffener für sich allein genommen auch ist, ergibt sich Handlungsbedarf bereits aus einer rein neurologischen Perspektive - ist doch mit einem nachhaltigen Einfluss komorbider psychischer Störungen auf den Krankheitsverlauf und die weitere medizinische Prognose zu rechnen. Eine vollständige, den klinischen Aufgaben angemessene neurologische und neurorehabilitative Versorgung ist ohne psychiatrisch-psychotherapeutische und psychosomatische Kompetenz heute nicht mehr zeitgemäß.
Im Rahmen der Entwicklung der Neurologie zu einer eigenen Fachdisziplin waren die letzten Jahrzehnte von einem Prozess zunehmender, inhaltlicher wie organisatorischer Differenzierung von Neurologie und Psychiatrie gekennzeichnet. Die letzten Jahre haben dagegen ? sicher gefördert durch die auch neurowissenschaftlich immer sichtbareren Schnittstellen und den klinisch nie verloren gegangenen Gemeinsamkeiten - zu einem Mehr an gegenseitigem Verständnis und aktiv geförderter Kooperation geführt. Aus klinischer Sicht ist diese Entwicklung nur zu begrüßen, erfordert die Behandlung einer Vielzahl von Patienten doch den Beitrag beider Fachgebiete. Neurologie und Psychiatrie sind tatsächlich wie die zwei Seiten einer Medaille: keineswegs identisch und doch eins.
Das vorliegende Themenheft will Beiträge zur klinischen Praxis liefern, die Stellenwert und Möglichkeiten der Einbeziehung psychiatrischer und psychosomatischer Ansätze in die Neurologie beispielhaft aufzeigen. Für eine angemessen gute Behandlung vieler Störungen reicht die Bereitschaft, über die Grenzen der eigenen Disziplin hinauszuschauen und Fachleute der anderen Disziplin konsiliarisch miteinzubeziehen. Es gibt jedoch immer wieder Patienten, bei denen neurologische, psychiatrische und psychotherapeutische Behandlungserfordernisse so eng ineinander verschränkt sind, dass eine integrierte Behandlung erfolgen muss, die somatische und psychosoziale Interventionen in einem in sich stimmigen, abgestimmten Behandlungsplan zusammenführt. Besonders für die Versorgung dieser Patienten fehlt es an klinischen Ressourcen, aber auch an zielgerichteten Forschungsaktivitäten. Wie eine adäquate Versorgung in der Praxis möglich werden kann - auch das soll dieses Heft zeigen.
Schließlich stellt das Themenheft selbst ein Beispiel gelungener, disziplinenübergreifender Zusammenarbeit dar. Zwar richtet es sich angesichts der primären Zielgruppe der Zeitschrift vor allem an Neurologen und neurologisch tätige Nervenärzte. Dennoch gilt die Notwendigkeit, über die notwendige Spezialisierung hinaus integrative Konzepte und Handlungsmodelle zu entwickeln, in gleicher Weise für Psychiater und Psychosomatiker. Wir hoffen mit diesem Heft, nicht nur informiert, sondern auch neugierig auf mehr gemacht zu haben.


© Hippocampus Verlag 2007 


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