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BÜCHER / Gesamtverzeichnis / Fahreignung bei neurologischen Erkrankun / Rezension 1 (Fahreignung bei neurologisc
 

Ch. Dettmers, C. Weiller

Fahreignung bei neurologischen Erkrankungen

Rezension:
von B. Widder, Günzburg
aus: Der medizinische Sachverständige 101 (2005) No 3

Bei neurologischen Erkrankungen bestehen nicht selten Beeinträchtigungen der Fahreignung. Zu Recht nennen die Autoren als Motivation für die Herausgabe des Buches, dass dieses Thema in der Neurologie bislang nur wenig thematisiert wurde.

Im ersten Teil werden zunächst von Lewrenz, dem verantwortlichen Sachverständigen des für die Beurteilung der Fahreignung in Deutschland maßgeblichen Gutachtens "Krankheit und Kraftverkehr", die Grundlagen und die historische Entwicklung dieser seit 1973 mehrfach fortgeschriebenen Leitlinien erläutert. Es folgt dann eine kurze, aber sehr prägnante Einführung aus rechtlicher Sicht, in der die Eckpunkte der Fahreignungsbegutachtung dargestellt werden.

Im zweiten Teil werden neurologisch/ neuropsychologische Kriterien der Fahreignung diskutiert. Wesentliche Bedeutung kommt dabei der Unterscheidung zwischen den Aufgaben des betreuenden Arztes und des Gutachters zu. Diese Unterschiede werden zwar angesprochen, auch werden häufige Fragen thematisiert. Man hätte sich jedoch gewünscht; dass hierzu präzisere Antworten gegeben werden. Angesichts des Vorliegens einer Reihe von Urteilen zum Thema wäre es auch sinnvoll gewesen, diese zu nennen. Weitere Beiträge beschäftigen sich mit Fragen der Fahreignung und deren Rehabilitation bei neuropsychologischen Defiziten, Aphasien und Hemianopsien. Hervorzuheben ist dabei der Beitrag von Hartje, der auf die geringe Zuverlässigkeit testpsychologischer Untersuchungen hinweist und in allen Zweifelsfällen eine praktische Fahrprobe als Standard empfiehlt. Inwieweit dies zukünftig durch Fahrsimulatoren ersetzt werden kann, ist bei Fehlen valider Studien derzeit noch nicht abzuschätzen.

Der dritte Teil beschäftigt sich mit speziellen neurologischen Krankheitsbildern. In überwiegend klar strukturierten und für die praktische Anwendung hilfreichen Beiträgen werden Probleme der Fahreignung bei Querschnittlähmungen, Anfallsleiden, Multipler Sklerose und Parkinson-Syndromen diskutiert. Vergeblich sucht der Leser allerdings nach weiteren Krankheitsbildern. Weder zu Hirndurchblutungsstörungen, die ohne Frage das häufigste neurologische Krankheitsbild darstellen, noch zu Schädelhirntraumen finden sich zusammenfassende Darstellungen. Wenngleich zahlenmäßig sicherlich seltener, gilt dies angesichts des Buchtitels auch für Neuropathien, Myopathien und Kleinhirnerkrankungen.

Die nächsten Teile diskutieren vor allem fachübergreifende Aspekte aus der Psychiatrie, der Inneren Medizin, der Pharmakologie sowie der Augen- und HNO-Heilkunde. Für den Neurologen, dem im Allgemeinen der wissenschaftliche Kenntnisstand dieser Gebiete nicht geläufig ist; nnael1 sich hier zahlreicne interessante und praktisch brauchbare Aspekte. Es folgen einige lesenswerte Beiträge zum Problem der Fahreignung aus Sicht des Fahrlehrers, zur technischen Realisierung von Fahrzeugumrüstungen sowie zu verschiedenen verwaltungs- und versicherungsrechtlichen Aspekten. Den Schluss bildet ein wichtiger, weil nachdenklich machender Beitrag zum Problem der Fahreignung aus Sicht eines Betroffenen.

Zusammenfassend enthält das Buch eine Reihe lesenswerter Einzelbeiträge zu verschiedenen Aspekten der Fahreignung. Angesichts der bereits vorliegenden fachübergreifenden Bücher zum Thema, die auch das neurologische Fachgebiet mit berücksichtigen, wird das Buch jedoch seinem Anspruch, ein umfassender Leitfaden zur Beurteilung der Fahreignung im neurologischen Fachgebiet zu sein, nur bedingt gerecht. Zahlreiche wichtige neurologische Krankheitsbilder werden nicht erwähnt, und der Leser findet nur in geringem Umfang konkrete Hilfen, wie im Einzelfall - sei es als betreuender Arzt oder als Gutachter - denn nun vorzugehen ist. Letztlich zu bemängeln ist auch das Fehlen eines Stichwortverzeichnisses, was den Wert des Buches für den Leser reduziert und den Eindruck eines leider etwas inhomogenen Buches verstärkt.

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