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BÜCHER / Gesamtverzeichnis / Funktionelle Bildgebung und Physiotherap
 

C. Dettmers, M. Rijntjes, C. Weiler
Funktionelle Bildgebung und Physiotherapie

EUR 2,00 | 1998 | 223 S. | ISBN 3-9806107-0-5

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Kurztext
Der vorliegende, auf einem gleichnamigen Symposium der Neurologie der Friedrich-Schiller-Universität in Jena beruhende Band soll Mitarbeiter zweier Fachbereiche zur gemeinsamen Diskussion anregen: diejenigen, die sich mit bildgebenden Verfahren beschäftigen (PET, funktionelle Kernspintomographie, Magnetenzephalographie und TMS), und die Neurologen und Physiotherapeuten, die sich mit der Rehabilitation von Patienten mit Hirninfarkt beschäftigen. Funktionell bildgebende Verfahren bieten die Möglichkeit zur Untersuchung, welche dynamischen Veränderungen im Gehirn mit den verschiedenen Formen der Physiotherapie einhergehen. Solche Untersuchungen sind in der Lage, das Verständnis für den Wirkmechanismus unterschiedlicher Therapien zu mehren. Darüber hinaus wird sich zeigen, inwiefern die funktionelle Bildgebung auch im Individualfall für die Prognose und die Differenzierung des Behandlungskonzepts eine Bedeutung in der Rehabilitation erlangen wird.

Für: Neurologen, Neuroradiologen, Physiotherapeuten
Stichworte: Schlaganfall, PET, MRT, Reorganisation

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Autor

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Rezensionen
1 von 1:
Aus: Nervenheilkunde 1999; 18: 96
Rezensent: Prof. Dr. D. Soyka, Kiel
Bis heute gelingt es nur unvollkommen, aus der initialen Lokalisation und Größe eines Hirninfarkts im kranialen Computertomogramm auf das zu erwartende motorische Defizit zu schließen, geschweige denn präzise prognostische Aussagen zu erstellen. Relativ neu ist die Erkenntnis, daß sich auch im ausgereiften Gehirn des erwachsenen Menschen Vorgänge von Neuroplastizität abspielen, die nach Eintritt einer Läsion Reorganisationsvorgänge ermöglichen. Die Autoren des vorliegenden Buches beschäftigen sich mit diesen Reorganisationsvorgängen, ihrem Nachweis durch moderne bildgebende Verfahren (Positronenemissionstomographie PET und funktionelle Kernspintomographie fMRT) sowie elektrisch-magnetische Verfahren (EEG/EMG und transkranielle Magnetstimulation TMS), und den Konsequenzen für die physiotherapeutische Rehabilitation. Fries legt dar, daß sich die neuronale Organisation zur Planung und Ausführung von Bewegungsabläufen auf ein Netzwerk parallel arbeitender kortikaler und subkortikaler Strukturen stützt, was sich sowohl experimentell als auch durch bildgebende Verfahren wie PET und fMRT belegen läßt. Dettmers et al. beschreiben und vergleichen diese Verfahren näher und konstatieren, daß sie trotz unterschiedlicher physikalischer Prinzipien nahezu identische Ergebnisse liefern und in für die Neuro- und Kognitionswissenschaften potente Untersuchungsinstrumente darstellen, die Rückschlüsse auf synaptische Aktivitäten und Gewebsaktivierung erlauben.
Weiller führt aus, daß Läsionen sowohl im peripheren als auch im zentralen Nervensystem Änderungen im Muster synaptischer Verbindungen innerhalb intakt gebliebener Regelkreise induzieren, die eine Basis für Reorganisation abgeben. Solche Reorganisationsvorgänge spielen sich in der geschädigten ebenso wie in der intakt gebliebenen Hemisphäre ab und bedienen sich vorgegebener, weitverzweigter und bilateral angelegter Netze.
Naturgemäß ist von hohem Interesse, ob sich aus diesen Erkenntnissen Anregungen für die rehabilitative Physiologie motorischer Ausfälle ergeben. Grundlage der Rehabilitation ist das repetitive Üben bzw. motorische Lernen, wie Hummelsheim betont. Jüptner beschreibt die verschiedenen Komponenten des motorischen Lernens und lokalisiert jeweils mittels PET die Schwerpunkte der involvierten Netze im Gehirn. Mit der von Liepert abgehandelten TMS lassen sich Ausdehnung und Schwellen des primärmotorischen Kortex kartieren, woraus sich die Möglichkeit ergibt, die Körperpräsentation im Kortex nach motorischen Lernprozessen und Reorganisation zu dokumentieren. Die vorliegenden Befunde unterstreichen, daß die Repräsentation des Körpers im Kortex nicht statisch festgelegt ist, sondern einer ständigen Modulation unterliegt.
Rijntjes et al. beschäftigen sich anhand von PET-Untersuchungen mit den Mitbewegungen der Gegenseite nach Schlaganfall und diskutieren eine Aktivierung ipsilateraler Pyramidenbahnfasem. Stephan gelangt, wiederum unter Berücksichtigung vom PET-Befunden, zu dem Ergebnis, daß bereits die Bewegungsvorstellung in der Aktivierung kortikaler Areale viele Gemeinsamkeiten mit der Bewegungsvorbereitung und -durchführung hat. Auch mit TMS lassen sich, wie Liepert darlegt, plastische Veränderungen im motorischen System nach peripheren und zentralen Nervenlasionen, aber auch induziert durch motorisches Üben und Lernen oder andererseits durch längerfristige Immobilisation nachweisen.
Weitere Autoren, nämlich Freivogel, Senn, Hummelsheim, Grete, Gehrke und Vojta, Miltner et al. Leidner und Peter sowie Dettmers und Freivogel beschäftigen sich mit der Physiotherapie, ihren Grundprinzipien und Konzepten, alten und neuen Hypothesen. Die neuen bildgebenden Verfahren könnten Aufschluß darüber geben, mit welchen funktionellen Umbauvorgängen im Kortex Physiotherapie einhergeht bzw. wo sie wirkt und wie sich der Begriff »auf neurophysiologischer Grundlage« mit mehr Substanz füllen läßt. Abschließend werden von Dettmers und Freivogel mehrere Fragen und Hypothesen formuliert, die sich bei einer Kooperation zwischen Physiotherapie und bildgebender Verfahren in Zukunft vielleicht konkret beantworten lassen werden, eine ermutigende Perspektive und damit auch insgesamt eine interessante, anregende Lektüre für alle, die mit der Rehabilitation motorischer Störungsmuster befaßt sind.

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